Bestandsaufnahme und Ziele der LAGKipkE

 

In einer Schulklasse von 30 Kindern oder Jugendlichen, leben mindestens drei in Haushalten mit einem psychisch- oder suchterkrankten Elternteil. Statistiken zufolge müssen in Deutschland circa 3,8 Millionen Kinder und Jugendliche mit dieser Situation umgehen.

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Kinder, deren Eltern an einer psychischen Erkrankung oder einer Suchterkrankung leiden, ein erhöhtes Risiko haben, selbst auch zu erkranken.

Neben genetischen Prädispositionen, sind diese Kinder und Jugendlichen schwerwiegenden innerfamiliären Belastungen und psychosozialen Risikofaktoren ausgesetzt. Die betroffenen Eltern sind teilweise emotional nicht ansprechbar, sie schaffen es über längere Zeiträume nicht, die Kinder ihrem Alter entsprechend zu versorgen und benehmen sich zum Teil, abhängig von Art und Ausprägung ihrer Erkrankung, ihren Kindern gegenüber gar feindselig. Der gesunde Elternteil kommt häufig an Belastungsgrenzen, es folgen Trennungen. Familien kämpfen zusätzlich mit finanziellen Verschlechterungen, beengten Wohnverhältnissen und leiden unter einem niedrigen sozialen Status. Aus Angst vor Stigmatisierung und Ausgrenzung oder Bevormundung, leben viele Familien zurückgezogen und finden nur schlecht den Zugang zum Hilfesystem.

Wenn jedoch Kindern die Unterstützung von einem oder gar beiden Eltern fehlt, die sie zur Bewältigung ihrer vielfältigen Entwicklungsaufgaben benötigen, reagieren sie nicht selten mit Verhaltensauffälligkeiten, was bei alle Beteiligten Stress auslöst und sich zusätzlich auf die gesundheitliche Konstitution negativ auswirkt.

Ein Kreislauf, den zu unterbrechen sich viele psychosoziale und psychotherapeutische Profis, Betroffene und Angehörige sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, zur Aufgabe gemacht haben. Risiko- und Schutzfaktoren wurden und werden weiterhin erforscht. Spezifische Unterstützungsangebote und Bewältigungsstrategien sind entwickelt und werden bereitgehalten, um betroffenen Familien zu helfen.

Hierfür hat sich als hilfreich erwiesen,

– die Erkrankung innerhalb der Familien offen und altersgerecht mit den Kindern zu thematisieren.

– Eltern darüber zu informieren, welche Auswirkungen ihre Erkrankungen auf die Kinder haben können und ihnen Handreichungen für einen stärkenden Umgang zu geben

– individuelle Schutzfaktoren und Ressourcen der Kinder zu entdecken und fördern, Selbstwertgefühl und Selbstwirksamkeitserwartung zu stärken.

– Kinder beim Aufbau oder Erhalt eines positives sozialen Umfeld zu unterstützen.

 

Wir, als Landesarbeitsgemeinschaft Kinder psychisch erkrankter Eltern, LAGKipkE, können dazu beitragen, die Lebensqualität der Familien zu verbessern, die Kinder zu stärken und zu schützen, indem wir

– bereits vorhandene Strukturen und Angebote und ihre Anbieter vernetzen und damit betroffenen Familien frühzeitig den Zugang zu diesen erleichtern.

– uns auf politischer Ebene weiter für die flächendeckende Versorgung mit geeigneten Hilfsangeboten und Strukturen in Baden-Württemberg einsetzen.

– die Interessenvertretung der Kinder gegenüber Kostenträgern wahrnehmen.

– mit Fachveranstaltungen deutlich machen, wie wichtig die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Berufsgruppen ist. Sie erhöht die Teilhabechancen am gesellschaftlichen Leben von Kindern psychisch belasteter Eltern und Familien und hilft, psychischen Erkrankungen vorzubeugen. Bei der Prävention und Früherkennung, haben Lehrerinnen, Lehrer und weitere Erziehende außerhalb des familiären Umfelds, eine besondere Bedeutung als Hinweisgeber.

– mit unterschiedlichen Arten von Aufklärungsarbeit in der Öffentlichkeit um Toleranz und Unterstützung werben und damit einen Beitrag zur Destigmatisierung psychischer Erkrankungen leisten.

– die Entwicklung weiterer Angebote für Kinder psychisch erkrankter Eltern und selbstverständlich auch Geschwister psychisch erkrankter Kinder oder Jugendlicher fördern.

– unsere Arbeit gemeinsam mit Betroffenen und Angehörigen gestalten.

 

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